Collie Herb – «Bambus» Albumreview

Reggae

bambus - collie herbMehr als 400 Konzerte plus Mixtapes, EPs, das Album „Authentisch“ plus jenste Featurings – Collie Herb ist von der Schweizer Reggaeszene kaum mehr wegzudenken!
Heute erscheint sein Album Bambus. 13 Songs und ein ruhiges Intro sind darauf zu hören, alles in typischer «Collie-Manier» über alle möglichen Genres, Styles und Inhalte hinweg. Die Instrumentals hat vor allem der Produzent Loopsided beigesteuert, veredelt durch Gitarrenriffs von Mitch (The Mighty Roots) und Piano-Overdubs von Skanky Wyser. Einige Riddims wurden aber auch von The Mighty Roots eingespielt. Mit dieser seit den 90ern aktiven Band ist Collie Herb seit einigen Jahren live unterwegs. Horns, Percussion und eine fette Rhythm-Section überzeugen jedoch nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf Bambus.
Erste Kostproben des Albums sind bereits als Videoclip erschienen. Da ist zum einen I Weiss. Auf einem Instrumental der Mighty Roots flowt Collie Herb durch die Strophen, während die Sängerin Jo Elle mit ihrer souligen Stimme und einer eingängigen Hookline dafür sorgt, dass dieser Song definitiv ein heisser Anwärter auf den Titel „Song des Albums“ ist. Plus: die Bilder aus Ibizza lassen (Achtung Klischee) den Sommer auch im eher tristen Herbst locker wiederaufleben!

Ein weiteres Video ist zum Song Für Aui Wunder Bling enstanden. Auch hier hatten die Mighty Roots ihre Hände im Spiel. Sie erinnern dabei an die französische Band Danakil. Ein bisschen handgemachter Dub sorgt für eine weitere, neue Facette in Collie’s Sound.

Eher Hiphop-lastig sind die Combinations mit der New Yorker Raggamuffin-Legende Jamalski (Gift) und der Basler Latin-Rapperin La Nefera (Summer) sowie die Songs Guete Morge, Nüt Blibt und Aues Wird. Zu letzterem gibt es übrigens eine witzige Story: seit Collie Herb 12 Jahre alt war, hat er die Piano-Melodie mit sich herumgetragen und konnte diese nun endlich in einen (passenderweise) autobiografischen Song einpflanzen.
Collie Herb erweist sich als Story-Teller mit philosophisch-sozialkritischem Einschlag und wirft mit Anekdoten, Bildern und Lebensweisheiten nur so um sich. Die gesamtheitlich betrachtete Liebe zieht sich dabei wie ein roter Faden durch s’Album. «Man könnte auch sagen, das ganze Album ist ein Liebesbrief»!
Allgemein fällt auf, dass auf dem Album viele ruhige, nachdenkliche und manchmal gar melancholische Songs zu finden sind. Selbst auf 8erbahn werden die eher energetischen Parts auf dem „Hit The Road Jack“-ähnlichen Instrumental immer wieder von einer Bridge unterbrochen, die wohl die eher langsamen Abschnitte der Achterbahn darstellen soll. Noch extremer zeigt sich das Phänomen im Song Mit Dir, wo der Basler P.E.G. über «bedingungslose Liebe» singt, während Collie Herb über seinen Liebeskummer rapped.
Nebst Für Aui Wunder Bling sind auch Lonely Planet, Was Wenn Wo als klassische Reggaesongs zu bezeichnen. Ansonsten experimentiert Collie Herb mit den Genres (Dunge Am See) und lässt nichts unversucht. In fast alle Fällen gelingt das, es ist aber durchaus eine gewisse musikalische Offenheit nötig, um das Album über alle 14 Titel hinweg zu mögen. Ob er sich vor negativen Feedbacks aus der Sezne fürchte? Natürlich nicht. «Meine Musik war nie nur eine schweizerdeutsche Kopie von dem, was gerade in Jamaica läuft». Er wagt auch einen Blick in die Zukunft: «Wir leben in der globalisierten Welt des Jahres 2016 – ich denke, in den nächsten Jahren werden die Grenzen zwischen den einzelnen Musik-Genres immer mehr verschwinden».
Was auf „Bambus“ überraschenderweise fehlt, ist ein klassischer Partytune im Stile von „Busy“ oder „Huere Fett“. Tatsächlich dürfe man in Zukunft auch wieder den einen oder anderen Dancehall-Tune von ihm erwarten, meint Collie. «Auf dem Album wollte ich jedoch nur Tunes, die ich auch in zehn Jahren noch feiern und mit denen ich etwas aussagen kann».
Collie Herb tauft sein Album am Freitag 14. Oktober in der Schützi, Olten mit zahlreichen Feature-Gästen und Jo Elle sowie Dusty Flavour als Support. Wer nicht länger auf die Live-Umsetzung des Albums warten kann, kommt bereits heute Abend in der Bar 59, Luzern auf seine Kosten. Mit dabei sind dort auch Ganjaman und Mr. Reedoo (Culcha Candela).